3D-Laserscanning in der Praxis: Im Interview mit Martin Ohlendorf

„Ja, was ist das denn? Ach, das wollen wir nicht.“

So fiel zunächst die Reaktion eines Auftraggebers aus, als unser leitender Vermessungsingenieur Martin Ohlendorf für die Bestandsaufnahme eines Wendewehrs in Braunschweig den Einsatz eines 3D-Laserscanners vorschlug. Heute zeigt gerade dieses Projekt, welchen Nutzen die Technik bei anspruchsvollen Vermessungsaufgaben bieten kann. (AllSat)

Im Gespräch mit AllSat berichtet Martin Ohlendorf über seine Erfahrungen aus mehr als 30 Jahren Vermessungspraxis und darüber, wie sich die Bestandsaufnahme durch 3D-Laserscanning verändert hat.

Nicht die Technik entscheidet, sondern die Aufgabe
Für unsere Vermesser steht fest, bei der Vermessung steht nicht die Frage im Vordergrund, welche Technik gerade neu auf dem Markt ist. Entscheidend ist vielmehr: Welche Lösung passt zur jeweiligen Aufgabe?

Beim Wendewehr in Braunschweig waren die Bedingungen besonders anspruchsvoll. Teile des Bauwerks konnten nur vom Wasser aus erfasst werden.

Dafür entwickelte das Vermessungsteam ein entsprechendes Messkonzept. Ein Stativ wurde im Wasser positioniert und auf rund drei Meter Höhe ausgezogen. Darauf wurde der Leica RTC360 montiert. Anschließend wurde der Scanner Schritt für Schritt entlang des Bauwerks umgesetzt. Insgesamt entstanden rund 40 Scanstandpunkte. Ergänzend wurden weitere Bereiche des Wehrs, das Gelände sowie das Gewässerbett erfasst und Drohnenaufnahmen eingesetzt. (AllSat)

Eine Standardlösung gab es hier nicht. Die Vermessung musste an die örtlichen Bedingungen angepasst werden.

Wenn aus Skepsis ein Aha-Effekt
Der Nutzen des Verfahrens wurde für den Auftraggeber erst sichtbar, als die Ergebnisse präsentiert wurden. Die digitale Punktwolke ermöglichte es, das Bauwerk virtuell zu betrachten und auch Schadstellen direkt in den Daten zu untersuchen und zu vermessen. Aus der anfänglichen Skepsis wurde damit ein deutlicher „Aha-Effekt“. (AllSat)

Genau darin liegt ein wesentlicher Vorteil der Punktwolke: Es werden nicht nur einzelne, vorher festgelegte Punkte aufgenommen. Stattdessen steht ein vollständiger digitaler Bestand zur Verfügung, aus dem auch später noch Maße und Informationen abgeleitet werden können.

Wie wichtig diese vollständige Datengrundlage sein kann, zeigt ein weiteres Projekt: die Vermessung eines Faulturms in Göttingen.

Der rund 35 Meter hohe Faulturm wurde innen und außen erfasst. Da sich im Inneren ein Gerüst befand, wurde die Vermessung in mehreren Bauzuständen durchgeführt. So konnten auch Bereiche dokumentiert werden, die zwischenzeitlich verdeckt waren. Der Hintergrund ist langfristig gedacht: Nach der Sanierung wird der Faulturm wieder mit Klärschlamm befüllt und für viele Jahre nicht mehr zugänglich sein. Die jetzt erfassten Daten stehen dagegen auch zukünftig für Planung, Sanierung und Dokumentation zur Verfügung.

Die passende Lösung
3D-Laserscanning ist damit nicht bei jedem Projekt automatisch die richtige Antwort. Es ist ein Werkzeug innerhalb eines größeren Spektrums der Ingenieurvermessung.

Je nach Aufgabenstellung werden  3D-Laserscanning, Tachymetrie, GPS und Drohnenaufnahmen kombiniert. Entscheidend ist, wie sinnvoll die Verfahren zusammenzuführen und ein Messkonzept zu entwickeln, das zum Bauwerk, zu den örtlichen Bedingungen und zur späteren Nutzung der Daten passt.

Für Martin Ohlendorf liegt genau darin die Entwicklung der modernen Vermessung: Nicht nur zu erfassen, was heute gebraucht wird, sondern eine Datengrundlage zu schaffen, auf die auch später zurückgegriffen werden kann.

Das vollständige Interview kann bei AllSat im ausführlichen Erfahrungsberichtnachgelesen werden. Hier berichtet Martin Ohlendorf über die beiden Projekte, die Arbeit mit dem Leica RTC360 und seine Erfahrungen mit modernen Vermessungsverfahren.
https://www.allsat.de/2026/08/03/leica-rtc360-bestandsaufnahme-bei-pabsch-ingenieure/