Bau eines neuen Deiches in Heersum

Deutschland, Holle

Auftraggeber

Landkreis Hildesheim

Projektumfang

Neubau eines Deiches mit Sielbauwerk sowie zweier Überlaufschwellen

Ingenieurleistungen

Objektplanung Leistungsphasen 1 bis 8 örtliche Bauüberwachung

Kompetenzfelder

Wasserbau und Wasserwirtschaft

Die südöstlich von Hildesheim gelegene Ortschaft Heersum liegt in unmittelbarer Nähe zur Innerste. Bei Hochwasserereignissen wurde der Ort bislang durch den in Fließrichtung rechten Deich vor Überflutungen geschützt. Dieser Deich wurde jedoch beim großen Hochwasserereignis der Innerste im September 2007 beidseitig stark beansprucht und beschädigt. Da der vorhandene Deich weder den Anforderungen der DIN 19712 für Flussdeiche entsprach noch rechnerisch auf extreme Hochwasserereignisse ausgelegt war, wurde eine umfassende Neuordnung des Hochwasserschutzsystems erforderlich.

Im Rahmen der Baumaßnahme zur Herstellung des Hochwasserschutzes wurde der bestehende Deich abschnittsweise in gleicher Trasse erneuert und zusätzlich durch einen neu errichteten Deich in zweiter Deichlinie ergänzt. Durch diese Kombination aus Deichinstandsetzung und Deichneubau konnte zusätzlicher Retentionsraum geschaffen werden, während die bestehende landwirtschaftliche Nutzung der Flächen im Polder weiterhin erhalten blieb. Ergänzend wurde eine gezielte Deichabsenkung hergestellt, über die definierte Überflutungsbereiche bei seltenen Hochwasserereignissen kontrolliert aktiviert werden.

Die gesamte Deichbaumaßnahme umfasst eine Länge von rund 2.000 Metern bei Deichhöhen von bis zu 2,50 Metern. Der neu errichtete Hochwasserschutzdeich wurde als Dreizonendeich mit landseitiger Berme und integriertem Deichverteidigungsweg ausgebildet. Dadurch wird sowohl die Standsicherheit als auch die Zugänglichkeit im Hochwasserfall gewährleistet.

Im Zuge der Baumaßnahme wurden kreuzende Leitungen in Schutzrohren gesichert sowie vorhandene Wasserleitungen mit land- und wasserseitigen Absperrorganen ausgestattet. Die neu geschaffenen Überflutungsflächen werden weiterhin landwirtschaftlich genutzt und erst bei Hochwasserereignissen mit einer Jährlichkeit von etwa 25 Jahren über mehrere Absenkungsbereiche kontrolliert geflutet.

Durch die Abflachung der landseitigen Böschungen des Bestandsdeiches konnte Material wiederverwendet und gleichzeitig die hydraulische Belastung im Überflutungsfall reduziert werden. Zusätzlich wurden im Kronen- und Böschungsbereich übererdete Geozellen eingebaut, die unmittelbar nach Fertigstellung Erosionsschutz gewährleisten.

Die Erschließung der landwirtschaftlichen Flächen bleibt durch eine Deichüberfahrt gesichert. Für die Kreuzung eines bestehenden Grabensystems wurde ein Sielbauwerk mit Schachtkonstruktion und doppelten Absperrschiebern errichtet. Die Entwässerung der landseitigen Polderflächen erfolgt über ein Auslassbauwerk mit Rückstauklappe und landseitigem Absperrschieber.

Ergänzend wurde eine Absenk-Brunnenanlage hergestellt, um den Grundwasserspiegel im Hochwasserfall gezielt zu regulieren. Hierfür sind je betroffenem Gebäude zwei bis vier Saugbrunnen vorgesehen, deren Förderung über fest installierte Leitungsanschlüsse für die Feuerwehr erfolgt. Böschungssicherungen am Deich stellen dabei das kontrollierte und schadlose Ableiten des geförderten Wassers auf die Wasserseite sicher.