Neubau und Sanierung der Kläranlage Hildesheim

Deutschland, Hildesheim

Auftraggeber

Stadtentwässerung Hildesheim AöR

Projektumfang

Faulbehälter mit V = 2.000 m³ MAP-Fällung mit 2 x 360 m³ Entwässerungszentrifugen mit (je Maschine) Hydraulischer Durchsatz 12 m³/h Feststoffdurchsatz 440 kg TS/h Bandeindicker 32 m³ /h bei 163 kg TS/h Zwei Schneckenpumpen: je 5.700 m³/h Betonsanierung gesamtes Pumpwerk im laufen-den Betrieb Erneuerung Armaturen Erneuerung 2 Stück Regenwetterschnecken im Stahltrog mit je 5.000 m³/h

Ingenieurleistungen

Objektplanung Ingenieurbauwerke Lph. 1-9 Objektplanung Verkehrsanlagen Lph. 1-9 Umsetzungsplanung und Projektmanagement Örtliche Bauüberwachung Technische Ausrüstung Maschinen und Verfahrenstechnik LP 1-9 Technische Ausrüstung E-MSR LP 1-9 Umsetzungsplanung und Projektmanagement Tragwerksplanung Lph. 1-9

Kompetenzfelder

Abwasserbehandlung

Auf der Kläranlage Hildesheim wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Erweiterung und Modernisierung zentraler Verfahrensstufen umgesetzt. Dieses umfasste den Neubau eines zweiten Faulbehälters mit zugehörigem Maschinenhaus sowie einer Anlage zur MAP-Fällung, den Neubau der Schlammentwässerungsanlage und die Sanierung des Zulaufpumpwerks.

Die Kläranlage mit einer Ausbaugröße von 240.000 Einwohnerwerten verfügt bereits über eine anaerobe Schlammstabilisierung. Im Rahmen des Projektes wurde diese sowohl verfahrenstechnisch als auch energetisch optimiert. Hierzu wurde die bestehende Faulung um einen zweiten Faulbehälter mit einem Volumen von 2.000 m³ erweitert. Die Erweiterung war erforderlich, da die vorhandene Anlage vollständig ausgelastet war und keine Redundanz bestand. Gleichzeitig schafft sie die Voraussetzung für die zukünftige Annahme von Co-Substraten.

Die Faulung wurde zweistufig konzipiert und bereits für einen späteren thermophilen beziehungsweise mesophilen Betrieb vorbereitet. Der Baubeginn erfolgte im Januar 2021, im Sommer desselben Jahres wurde die Dichtheitsprüfung durchgeführt. Die Inbetriebnahme des Faulbehälters begann im April 2022.

Der anfallende Klärschlamm wird weiterhin anaerob stabilisiert und anschließend über zwei Zentrifugen entwässert, die in einer neu errichteten Schlammentwässerungshalle untergebracht sind. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Bildung von Magnesium-Ammonium-Phosphat-Ablagerungen (MAP), auch bekannt als Struvit, dar. Diese führen ohne Gegenmaßnahmen innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Verstopfungen in Rohrleitungen und Aggregaten.

Zur Vermeidung dieser Ablagerungen wird der Schlammentwässerung eine MAP-Fällung vorgeschaltet. Dieses Verfahren wird am Standort bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und wurde im Zuge der Maßnahme entsprechend den heutigen Anforderungen neu konzipiert. Das ausgefällte MAP verbleibt im Klärschlamm und ermöglicht perspektivisch eine Phosphorrückgewinnung im Rahmen der Klärschlammverbrennung.

Für einen kontinuierlichen und gleichmäßigen Betrieb kommen zwei MAP-Behälter mit jeweils 360 m³ Volumen zum Einsatz, die wechselseitig betrieben werden. Während ein Behälter beschickt wird, erfolgt aus dem zweiten die Entleerung in Richtung Entwässerung. Zur Fällung wird kontinuierlich Magnesiumchlorid dosiert. Ergänzend sorgen Rührwerke und eine gezielte Druckbelüftung dafür, dass durch die Austreibung von CO₂ der pH-Wert angehoben und die Kristallbildung gezielt initiiert wird. Nach Abschluss des Prozesses wird der Schlamm den Zentrifugen zugeführt.

Zur Sicherstellung eines stabilen Betriebs und eines hohen Entwässerungsgrades sind die MAP-Behälter wärmegedämmt ausgeführt, um ein Auskühlen des Faulschlammes zu verhindern. Konstruktiv wurden Edelstahlbehälter auf einer Beton-Sohlplatte realisiert, da die Baugrundverhältnisse eine wirtschaftliche Umsetzung in reiner Massivbauweise nicht zuließen. Die gesamte Entwässerungstechnik wurde in einer neu errichteten, funktional abgestimmten Halle untergebracht.

Mit der Umsetzung dieses Projektes wurde die Kläranlage Hildesheim technisch und energetisch zukunftssicher aufgestellt und an die steigenden Anforderungen moderner Abwasserbehandlung angepasst.